Winter in Neuseeland
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Winter in Neuseeland

Wer überlegt, im Winter nach Neuseeland zu fahren, dem sage ich laut und deutlich und mit festem Augenkontakt: Lass es bleiben. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so gefroren wie im neuseeländischen Winter. Und man kann kaum was dagegen machen. Winter ist hier im Juni, Juli und August.

Nicht dass das Land nicht schön wäre im Winter. Es liegt in den Ebenen kein Schnee, es ist alles recht kahl, aber trotzdem sehr sehenswert. Das ist nicht das Problem, man kann Neuseeland auch in kahle, Zustand bereisen und trotzdem begeistert sein.

Man kann auch Ski fahren, Neuseeland hat mehrere Skigebiete. Winter im Freien ist nicht der Punkt, der mich fertig gemacht hat. Das Problem sind die Häuser. Aus Mangel an Steinen zum Häuserbau bestehen die Wände meistens aus Holz. Und davon nicht viel.

Wer mal gesehen hat, wie ein neuseeländisches Haus gebaut wird (Holzplatte, etwas Luftraum, Holzplatte, Verputz), möchte den Bauarbeitern zurufen: Häuser haben Mauern, Ihr Ignoranten!

Die Häuser sind einfach schlecht isoliert, und Neuseeländer sowie Europäer frieren. Dafür, dass sie wenig Steinmaterial haben und der Import so teuer ist, können die Kiwis ja nichts.

Aber die Heizsysteme sind auch noch schlecht, und das werfe ich ihnen irgendwie schon vor. In manchen Hosteln wird gar nicht geheizt oder es hängt ein fast nutzloser Heizkörper an der Wand.

In der WG, in der ich zuerst gewohnt hatte, gab es keine Heizung, nur einen Ofen im Wohnzimmer. Das war dann zwar warm, aber der Rest des Hauses fühlte sich an wie draußen im Freien.

In der zweiten WG gab es nur einen Gasofen, der überhaupt nichts gebracht hatte. Manchmal waren morgens die Fenster von innen gefroren, und im Zimmer war es so kalt wie draußen. Der Gang ins Bad war eine Tortur. Der Boden war eiskalt, das Deo war eiskalt, die Gesichtscreme war eiskalt. Unter der Dusche war es zwar warm, aber sobald ich da rausstieg, war meine Kleidung auch wieder eiskalt.

Manchmal waren auch die Rohre eingefroren und wir hatten drei Tage kein Wasser, da bin ich ins öffentliche Schwimmbad zum Duschen. Ich mache hier keine Witze:

Nach ein paar Wochen hatte ich das Gefühl, das wird jetzt dauerhaft ungesund für mich. Ich habe in der Winterjacke gefrühstückt, mit Schal. Nachts bin ich manchmal aufgewacht, weil meine Nase (das einzige, was unter der Bettdecke hervorgeschaut hat), so kalt war, dass sie wehgetan hat.

Manchmal wollte ich nach der Uni auch gar nicht nach Hause, weil ich wusste, da ist es wieder so kalt. Im Freien hat man wenigstens noch frische Luft dazu. Natürlich gibt es auch wärmere Häuser, und andere Menschen hatten vermutlich darin einen nicht ganz so schlimmen Winter.

Allerdings muss ich sagen, dass alle Kiwis, die ich kenne, sich genauso beschweren wie ich und froh sind, wenn der Winter vorbei ist. Natürlich kann man sich auch mit transportablen Heizkörpern, sogenannten „fan heatern“ etwas behelfen. Hab ich auch gemacht. Mit dem Ergebnis, dass wir für vier Wochen eine Elektrizitätsrechnung von 600 Dollar hatten.

Mein Fazit: Wer sich eine Reisezeit aussuchen kann, sollte den Winter umgehen. Es sei denn, er steht auf Extrem-Erfahrungen. Oder gleich in Australien studieren, da ist es einfach insgesamt wärmer.