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Neuseeländer

Kontaktaufnahme zu den Kiwis

In Neuseeland gibt es ja bekanntlicherweise drei Arten von Kiwis: Die Kiwifruit (diese ovalen, braunen, haarigen Dinger), die Kiwi-Vögel (das Nationaltier des Landes) und die menschlichen Bewohner Neuseelands, die sich ebenfalls Kiwis nennen.

Wenn ich hier von Kontaktaufnahme spreche, beziehe ich mich auf die letztgenannten. Die Neuseeländer sind sehr freundliche und offene Zeitgenossen. Bereits an meinen ersten Tagen im Land ist mir aufgefallen, wie freundlich und höflich die Menschen hier miteinander umgehen. Da wird an langen Schlangen vor Supermarktkassen geduldig gewartet, es wird nicht gemotzt, Kinder werden nicht auf offener Straße angemeckert und wenn der Busfahrer seelenruhig fast zehn Minuten lang jeden einzelnen Fahrgast abkassiert, sind immer noch alle guter Laune.

Überhaupt haben alle hier viel Zeit: Die Verkäufer in den Coffee-Shops bereiten trotz langer Schlange in aller Ruhe den Kaffee in einer Art zu, dass man das Gefühl hat, man bekomme ein Einzelstück, das mit viel Liebe zum Detail und Freude an der Sache zubereitet wurde. Ich muss zugeben, mir fiel es anfangs sehr schwer, von der Hektik und dem Druck einer deutschen Millionenstadt wegzukommen und mich auf die geruhsamere Lebensweise an einer neuseeländischen Uni und der Kiwis überhaupt einzulassen. Und habe festgestellt: Es funktioniert. Das Leben geht trotzdem weiter, und zwar deutlich entspannter.

Je mehr Neuseeländer ich hier kennen gelernt habe und je intensiver der Kontakt wurde, desto mehr konnte ich mich entspannen und meine „typisch deutsche“ zielgerichtete Effektivität auch mal sein lassen. Interessant finde ich auch, dass sich die Leute hier mehr für den Menschen interessierten als für das, was man mitbringt. Ist eine der ersten Fragen in Europa oft „Und was machst du beruflich?“, ist das hier meistens zweitranging. Die Neuseeländer wollen wissen, wer man ist, was einen interessiert, wie man seine freie Zeit verbringt. Der Beruf oder das Studium kommen da nicht an erster Stelle.

Hier ein paar Tipps zum Einstieg für die Kommunikation mit Neuseeländern:

  1. Freundlich sein. Man begrüßt sich grundsätzlich mit „Hello/ Good morning/ G’day“ gefolgt von der Frage „how are you?“ oder „how’s it going“. Selbst an der Supermarktkasse. Erwartet werden eine Antwort und die gleiche Rückfrage, zum Beispiel „good! How are you?“. Beim Aussteigen aus dem Bus ist es üblich, sich kurz beim Fahrer zu bedanken. Abgesehen von der Höflichkeit kann aus solchen informellen Floskeln auch mal ein interessantes Gespräch mit einem Einheimischen entstehen!
  2. Man spricht sich hier im Land üblicherweise mit dem Vornamen an, auch bei geschäftlichen Aktivitäten. So heißen Ärzte bei der Terminabsprache etwa „Dr. Jane“ und der eigene Anwalt ist einfach der „Paul“.
  3. Locker bleiben. Bloß keinen Stress oder Druck verbreiten, nicht motzen, nicht drängeln, das wirkt nur unverschämt und man kommt damit hier nicht weit. Wenn die Kommunikation nicht der erwarteten (deutschen) Effektivität entspricht, einfach freundlich und locker nachfragen. Hier läuft die Kommunikation oft persönlicher ab, auch bei Dienstleistungen oder Kaufgeschäften.
  4. Sein Zeitverständnis etwas lockern. Es ist normal, dass man zweimal Nachfragen muss, bevor man etwa eine Antwort auf eine email bekommt. Das ist keine böse Absicht, hier geht nur alles ein bisschen langsamer, besonders in den kleineren Städten und auf dem Land.


Ein besonderes Problem haben mir anfangs auch die Terminabsprachen bereitet: Ich war es gewohnt, eine Zeit auszumachen, wenn ich mich mit jemandem treffen wollte. Ich gehe nicht einfach völlig ohne Vorwarnung zu jemandem nach Hause. Und jetzt sagen mir meine Kiwi-Freunde, ich könne kommen „whenever“. Oh, da habe ich mit mir gekämpft. Netterweise haben sie sich etwas meiner deutschen Mentalität angepasst und grenzen das Ganze jetzt auf „afternoon“ oder „evening“ ein. Ich schleiche immer noch wie ein Verbrecher auf das Haus zu und frage dreimal, ob ich nicht vielleicht störe. Und die Kiwis lachen sich kaputt über die Tatsache, dass ich einen Termin ausmachen möchte anstatt einfach hereinzuschneien. Aber ich kann schließlich nicht gleich zum Neuseeländer mutieren.

Übrigens haben die Kiwis ein recht deutliches Bild von Deutschen: Wir haben ein effizientes Transportsystem an öffentlichen Verkehrsmitteln (pünktliche Züge und so), dafür keinen Humor und hören alle Rammstein. Und der zweite Weltkrieg ist natürlich auch ein Begriff. Ich versuche hier mit viel Elan, deutsche Schriftsteller, Philosophen und Physiker bekannt zu machen und zu vermitteln, dass die deutsche Geschichte (zum Glück) auch schöne Meilensteine beinhaltet.